Die Gatha

Die Gatha

Die „Gatha“ sind die ältesten Lieder und Gedichte, die in altiranischer Sprache geschrieben sind. Sie enthalten die Gedanken Sarathustras, den sarathustrischen Lebensweg und seine Lebensphilosophie. Der Autor dieser lyrischen und harmonischen Lieder ist der weltbekannte iranische Prophet, Sozialreformer und Philosoph Sarathustra.

Früher dachten die Altertumsforscher und Iranisten, dass die „Gatha“ der erste Teil Avestas (Heiliges Buch der Sarathustrier) darstellen. Die restlichen Teile des Avestas sollen Schriften wie „Yaschta“, „Vandidad“ und „Vispard“ sein. Man kann getrost davon ausgehen, dass die „Gatha“ allein das eigentliche Heilige Buch der Sarathustrier sind und hier gesichert ist, dass alle Lieder von ihm selbst stammen.

Die anderen oben genannten Bücher stammen entweder aus vorsarathustrischer oder nachsarathustrischer Zeit.

Die Sprache der „Gatha“ zeigt klar und deutlich, dass sie mindestens mehrere hundert Jahre älter ist als die übrigen oben genannten Schriften. Man geht heute davon aus, dass alle sarathustrischen Schriften außer den „Gatha“ nicht von Sarathustra selbst stammen, sondern später durch sarathustrische Geistliche niedergeschrieben wurden und dazugekommen sind. Das Anliegen Sarathustras ist klar, knapp und ehrlich in den „Gatha“ veröffentlicht und steht manchmal sogar im Widerspruch zu späteren Schriften wie z. B. Vandidad. Sarathustra ist ein psychologisch versierter Sozialreformer, ein begeisterter Kämpfer gegen Gewalt und Unrecht, ein militanter Liberaler und kein selbstgerechter gewöhnlicher fundamentalistischer Vollheiliger mit größerer Ähnlichkeit zu irgendwelchen Göttern als zu den Menschen. Sarathustra ist ein reformistischer Mensch ohne Gesetzbuch in der Hand, während er in der anderen Hand ein scharfes Schwert trägt. Sarathustra ist kein Gesetzgeber. Er sagt, die Menschen sollen selbst ihre Gesetze machen, aber auf dem Grund der Wahrhaftigkeit, des Verstandes und des Fortschrittswillens. Alles andere, was nach Ritualen oder Gesetzen aussieht, ist später dazugekommen, ohne dass Sarathustra selbst etwas davon wusste.


Literatur:

Auszüge aus dem Buch „Was also sprach Sarathustra wahrlich“ von A. Madjderey

 

ISBN-Nr. 3-925819-14-2

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